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- so hat Wilhelm Entrich aus Steinberg sein neues Büchlein betitelt.
Der Autor hat in seinem Leben bereits zum dritten Mal "neues Geld" erlebt. Ein Jahr der Euro, was h auses hat der Malermeister Entrich eine volkskundliche Sammlung zusammengetragen. Das Steinberger Dorfmuseum gilt als ganz besonderes Kleinod nicht nur unter Kennern. Schwerpunkt dieser kleinen Sammlung bilden Gegenstände, die den Alltag des Menschen ausmachten. Im Schein des Kaminfeuers und bei einem Gläschen Grog in gemütlicher Gesprächsrunde wurde die Idee zu seiner Dokumentation „Von der Mark bis zum Euro" 1871-2002 -- Mit der Mark durch dick und dünn" geboren. Wer den Museumsmann Wilhelm Entrich erlebt, glaubt nicht, dass er in diesem Jahr bereits 90 Jahre alt wird. In dieser kleinen Broschüre wird nicht nur ein kleiner Überblick über die verschiedenen Geldscheine und Münzen des 20. Jahrhunderts gegeben, es werden auch verschiedene Ereignisse in Erinnerung gebracht, die das Leben eines Volkes, fast immer im negativen Sinn, durcheinander gebracht haben. Aber auch Nebensächlichkeiten, die heute ein Schmunzeln hervorrufen, hat der Autor aus seiner Sicht liebevoll beschrieben. Wer das 20. Jahrhundert weitgehend erlebt hat, weiß, dass es keinesfalls langweilig war -aber auf eine ganze Menge hätte gut verzichtet werden können, schreibt der vielseitig interessierte Museumsmann. "Wir können eigentlich nicht stolz sein", es sei das Jahrhundert der Kriege. Die beiden Weltkriege, Vietnam, Tschetschenien, Kosovo, die vielen Stammeskriege habe er noch gar nicht mitgezählt. Besonders den Bürgerkrieg in Irland prangert er an: "Sie beten alle einen Gott an und schlagen sich die Köpfe blutig", sagt er.
130 Jahre Mark in Schleswig-Holstein werden in einem bunten Reigen dem Leser vor Augen geführt und die Erinnerung, dass eine Mark 100 Pfennige hatte, wird auch wieder wach.
„Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles“ - hat schon Goethe um 1800 in seinem "Faust" geschrieben, und so ist es bis in unsere Zeit geblieben, wenn wir auch das ,,0“ im Gold gegen das „e“ im Geld austauschen müssen. Das Geld zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte des ganzen 20. Jahrhunderts, mit allen ihren Höhen und Tiefen, Stärken und Schwächen, die das Leben der Menschen oft bis ins Mark getroffen und geformt haben. Das Bild auf der Titelseite für das Büchlein zeigt eine „Geldkatze“, das waren kleine gestickte und mit Perlenstickerei verzierte Beutel. Sie wurden am Gürtel getragen, um den Taschendieben, auch "Beutelschneider" genannt, das "Handwerk" zu erschweren. Erstaunlich, was der Senior alles gesammelt und zusammengetragen hat. Da ist es eine Radfahrkarte von 1911, wohl eine Art Führerschein für Radfahrer und ein Erlaubnisschein für Kraftfahrer von 1905. Diese amtlichen Papiere sind lesenswert und dürften mehr als ein Schmunzeln hervorrufen. Der Schein wurde unter dem Vorbehalt ausgestellt, dass keine größere Fahrgeschwindigkeit als die Schnelligkeit eines kurz
trabenden Pferdes angewendet und .... dass das Kraftfahrzeug 20 Meter vor entgegenkommenden Fuhrwerken mit Pferden oder vor Viehtransporten angehalten und diese an sich vorbei gelassen werden; die preußische Bürokratie hatte Einzug auf dem Land gehalten. Anschaulich schreibt Wilhelm Entrich über sehr persönliche Erlebnisse und Ansichten.
Als 5 ½ jähriger Junge stand ich 1918 in Hamburg an den Elbbrücken, als eine Kompanie Soldaten als Marschkolonne aus dem Krieg zurückkehrte. Ich werde wohl kaum viel darüber nachgedacht haben, warum ,mein Vater nicht dabei war, sondern in Russland geblieben war - ich hatte ihn ja auch kaum gekannt, schreibt er. Doch war im Ersten Weltkrieg die Menschlichkeit noch nicht ganz verlorengegangen, wie aus gesammelten Dokumenten hervorgeht. " Was haben die Menschen bloß im Jahre 1910 mit einem Tausendmarkschein gemacht, wo der Verdienst bei 0,50 Pfennig pro Stunde lag?", rätselt er nachdenklich.
Mit dem Notgeld zum Ende der Inflationszeit 1923 - also vor nunmehr 80 Jahren -, als z.B. 1 Mark nach 14 Tagen nur noch den Wert von einigen Pfennigen hatte, verbinden sich viele kleine Geschichten. Sitzt der Besucher auf dem hervorragend restaurierten Sofa im Dachbodenmuseum und schmökert in den vielen gesammelten Dokumenten, vergeht die Zeit wie im Fluge - so auch das Lesen des kleinen Büchleins.
Dörfliche "Unternehmen" werden von ihm beschrieben. Eine Butter-Bestellung für 30 Billionen Mark wird beschrieben. Über den Butterversand Albert Ludwig Kelle aus Steinbergkirche hat er zahlreiche Dokumente archiviert. Das Porto für eine Postkarte lag damals bei 23 000 Mark, wenig später kostete ein Einschreiben 150 Millionen Mark. Da war Anfang des 20. Jahrhunderts eine Fischhökerin namens Stine Johannsen. Sie wohnte in Jordan bei Sterup, ihr Ökelname „Stine Jordan“ ist den älteren Leuten im Kirchspiel heute nochbekannt. Sie hatte einen zweirädrigen Handwagen, der von ihrem Hund, genannt "Phylax" gezogen wurde. Damit zog sie in aller Frühe von Sterup nach Steinberghaff und bis nach Kappeln, um von den Fischern frische Fische zu kaufen, die sie in den umliegenden Dörfern verkaufte. Oder der Produktenhändler "Peter Trübsal", der eigentlich Peter Hinrichsen hieß, wird blumenreich beschrieben. Wilhelm Entrich schreibt aus seiner Sicht über die wertbeständige Rentenmark, die 1924 in Reichsmark ,umgetauft wurde. Auch von diesem Geld musste die Bevölkerung sich nach gut zwanzig Jahren 1948 wieder trennen. Er schreibt seine Meinung über die Weltwirtschaftskrise und den Zusammenbruch der New Yorker Börse. Als der Erste Weltkrieg ein Ende hatte, war er fünf Jahre alt, als er im Jahre 1932 seine Lehre beendete, gehörte der Malermeister Entrich zu den sechs Millionen Arbeitslosen.
Das „Dritte Reich“ und der Zweite Weltkrieg und natürlich die Deutsche Mark nehmen weiteren Platz ein. Die Deutsche Mark gewann an Vertrauen und wurde in gut 50 Jahren eine der stabilsten Währungen der Welt. Früher konnte ein Dorf, etwas salopp ausgedrückt, ein Dorf ernähren. Heute gibt es, mit wenigen Ausnahmen, keine Arbeit mehr im Dorf. Die jungen Leute haben ihre Arbeit in der Stadt und der Rest sind alte Leute, die hier Ihren Lebensabend verbringen. So wie in Steinberg, wird es in vielen Dörfern sein, man kann abends ruhig die Fußsteige hochklappen, da sie ohnehin nicht mehr gebraucht werden. Das ist wohl der Zug der Zeit und manches ist ja auch besser als in der „guten alten Zeit“. Nun haben wir ein Jahr den Euro in unserer Geldbörse - wie schön, ist doch jetzt alles nur halb so teuer - oder!?
Dieser Sonderband 9 in der Reihe Chronik des Kirchspiels Steinberg kostet 10 Euro und ist bei allen Chronikmitgliedern des Kirchspiel Steinberg bzw. beim Archivkreis in der "Alten Schule Norgaardholz" erhältlich oder auf Nachfrage unter Telefon 04632 - 7728.
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