Chronik erinnert an eingeschneite Ärzte und Strom vom Wasserwerk

Die ersten Exemplare des druckfrischen Werkes über den Schneewinter überreichte Bernhard Asmussen (l.) an Autor Hans Diedrich Jürgensen (M.) und Herausgeber Uwe Borg.
Foto: P. Hamisch

23. Mai 2011 | SHZ | von ami

Die Menschen, die es erlebt haben, werden es nie vergessen: Weihnachten 1978 war vorbei, als zwischen den Feiertagen unangekündigt ein Schneesturm bisher nicht gekannter Intensität die Landschaft Angeln unter einer 70 Zentimeter dicken Schee decke begrub. Der Orkan sorgte dafür, dass sich der Schnee stellenweise meterhoch auftürmte. 70 Ortschaften waren plötzlich ohne Strom, der Verkehr kam völlig zum Erliegen. Bergepanzer und Hubschrauber der Bundeswehr konnten erst nach Tagen die Versorgung der Bevölkerung sichern.

"Dor musst Du mal een Book över schrieben", motivierte Arno Nöhren den Chronisten Hans Diedrich Jürgensen. Der hatte damals beim Krisenstab der Feuerwehr Steinbergkirche das Chaos hautnah miterlebt.

Dieser Aufforderung ist Jürgensen nachgekommen, hat seine Aufzeichnungen aufgearbeitet und mit Zeitzeugen gesprochen. Uwe Borg hat dazu Bilder organisiert und das Heft mit dem Titel "Steinbergkirche im Schneewinter 1978/ 79" als Heft 6 der Chronik des Kirchspiels Steinberg herausgegeben.

Zur Buchvorstellung konnte Bernhard Asmussen, Vorsitzender des Kirchspielarchivs, nun im "Steinberger Hof" zahlreiche Gäste begrüßen. Es sei das größte Unwetter seit Menschengedenken gewesen, stellte Asmussen fest, nur vergleichbar mit der November sturmflut von 1872, als die Ostsee 3,30 Meter über normal Null weite Küstenstriche überflutet hatte. Im Kirchspiel Steinberg sei es Tradition, Ereignissen von Bedeutung, die die Menschen vor Ort berührt haben, aufzuschreiben und darüber zu berichten. Da durfte der Schneewinter 78/79 nicht fehlen, meinte Autor Jürgensen und erinnerte sich, wie es vor 30 Jahren in Steinberg war, als auf der Nordstraße kein Auto mehr fahren konnte, als die Stromleitungen, von einem dicken Eispanzer ummantelt, rissen und die Menschen ohne Strom waren. In Steinberg feierte ein Arzt seine Hochzeit und hatte dazu auch viele Kollegen aus der Diako in Flensburg eingeladen. Zur Feier kamen sie noch, aber als sie wieder nach Hause wollten, verhinderten meterhohe Schneeverwehungen ihre Rückkehr. 15 vom Schnee gefangene Ärzte brachten das Flensburger Krankenhaus in Not. Das Verteidigungsministerium in Bonn wurde eingeschaltet. Das beorderte den Versorger "Westerwald" von Eckernförde in die Geltinger Bucht mit der Vorgabe, die Ärzte vom Strand aufzunehmen und nach Flensburg zu bringen. Doch wegen des Orkans musste die Aktion abgesagt werden. Erst als das Wetter sich beruhigt hatte, konnte ein Marinehubschrauber die Mediziner abholen.

Koordiniert wurden alle Aktionen im Gemeindebereich von der Feuerwehr. Die hatte einen Krisenstab im Hause von Hans Diedrich Jürgensen eingerichtet. Dort sorgte eine Kohlenheizung für Wärme. Strom bezog man über eine eilig gelegte Leitung zum nahen Wasserwerk, wo ein Notstromaggregat die Versorgung gewährleistete.