Steinberg feiert seinen neuen Ortsteil

Bürgermeister Gerhard Geißler und Bernhard Asmussen

8. Juni 2010 | SHZ | Von uk

Ganz Steinberggaard - von der Hausnummer 1 bis 14 - inklusive der Bewohner vom Heisterkrog und östlich der Nordstraße: Alle, die in diesem Ortsteil zu Hause sind, waren auf den Beinen, um zu feiern. Doch zunächst stand ein symbolischer Akt im Mittelpunkt: Steinbergs Bürgermeister Gerhard Geißler und der Vorsitzende des Kirchspielarchivs, Bernhard Asmussen, waren mit Werkzeug und Leitern angerückt, um das neue Ortsnamensschild "Steinberggaard" (ein "Weiler") zu montieren. Dabei gab es natürlich viele Ratschläge wie "links höher, rechts noch ein bisschen tiefer". Und als das Schild endlich gerade saß und fest verschraubt war, brandete Beifall der Bewohner auf, denn von diesem Augenblick an waren sie alle - schildlich belegt - echte Steinberggaarder.

Auch Kirchspielarchiv-Vorsitzender Asmussen ist einer von ihnen. Und er war es, der alle Hebel in Bewegung gesetzt hatte, "damit wir amtlich als Ortsteil anerkannt werden". Und weil die Bemühungen schließlich von Erfolg gekrönt waren, hatte er nicht nur die Steinberg-Fahne gehisst, sondern aus Anlass des "für uns frohen Ereignisses" auch eine kleine Dokumentation verfasst. Die gibt über "Steinberg ganz unten", wie man dort so schön sagt, in aller Ausführlichkeit Auskunft - schließlich ist ihr Verfasser ja Archivar.

Was da zu lesen steht, war nicht einmal so manchem Steinberggaarder bis dahin geläufig: Der Namenszusatz "gaard" benennt im Schleswigschen einen Edelhof, also den befestigten Wohnsitz eines Adligen oder Ritters - im Fall von Steinberggaard also der "Hof von Steinberg". Der Name Steinberggaard geriet im Laufe der Zeit in Vergessenheit, zumal immer mehr Bauernhöfe und Katen abgebrochen wurden.

Lange sprach man - so Asmussen - nur vom "Steinberger Unterdorf". 1978 entschied die damalige Gemeindevertretung die Einführung von Straßennamen und beschloss, der bisherigen "Grünen Straße" den Namen des hier ehemals gelegenen Edelhofes zu geben, also "Steinberggaard". Dann folgte im April dieses Jahres für die "da ganz unten" der Beschluss der jetzigen Gemeindevertretung: Steinberggaard erhält den Status eines Ortsteiles. Damit tritt zur Freude von Asmussen, Geißler und aller Steinberggaarder dieser älteste und geschichtsträchtigste Teil von Steinberg aus dem Schatten heraus und reiht sich gleichberechtigt in die Reihe der übrigen Ortsteile wie Südsteinberg, Stürsholz, Oestergaard, Flintholm, Steinberghaff, Steinbergholz, Norgaardholz und Habernis ein. Darauf sind die Steinberggaarder stolz und studierten eifrig "unsere Geschichte", in der auch die Rede davon ist, dass "wir eine geschlossene, historisch gewachsene Ortschaft sind".

Dass ein alter, fast vergessener Edelhof nach über 500 Jahren wieder in die Gegenwart und ins Bewusstsein der Menschen gerückt ist, war den Steinberggaardern eine Feier wert. König Christian I. von Dänemark, der Steinberggaard von etwa 1450 bis 1470 besaß, wäre sicher gern beim Steinberggaarder Straßenfest mit dabei gewesen. Vielleicht, so Bürgermeister und Kirchspielarchivar, werden diesem ersten Straßenfest weitere folgen - immer Anfang Juni und in Erinnerung daran, dass "wir unser Ortsnamensschild aufgestellt haben".